Freitag 10. Februar 2012 von Christian Johner
Gleich zwei meiner Kunden haben mich gestern am Institut besucht. Beide kamen mit dem gleichen Anliegen, sie bei der Produktakte zu unterstützen. Beide hatten das gleiche Problem, nämlich “Anforderungen” auf das Pflichtenheft und das Lastenheft aufteilen zu müssen. Und beide machten den gleichen Fehler:
Sie beschreiben im Lastenheft die “Anforderungen” grob granular, im Pflichtenheft dann detaillierter. Und wenn es bei manchen “Anforderungen” keinen Unterschied zwischen den grob und fein granularen Beschreibungen gibt, steht in beiden Dokumenten dasselbe. Entsprechend obskur wird dann die Aufteilung der Tests, die man dann Verifizierung und Validierung nennt. Ähnlich obskur wird dann die Nachverfolgung (Traceability).
Wieso kommt es zu diesen Schwierigkeiten? Was machen diese Hersteller falsch? Wie sollte man es richtig machen?

Zu diesen Schwierigkeiten kommt es unter anderem deshalb, weil die Aufteilung relativ willkürlich ist. Richtig müsste man zwischen Nutzungs- und Systemanforderungen unterscheiden. Ein Beispiel:
Die Nutzungsanforderung könnte lauten: “Der Internist muss am System alle Patienten mit einem zu niedrigen Hämoglobinwert erkennen können”.
Die zugehörige Systemanforderung könnte dann heißen: “Das System zeigt in der Patientenübersicht alle Patienten mit einem zu niedrigen Hämoglobin in roter fetter Schrift der Größe 12 Punkt an.” Konkret würde man hier die GUI vollständig spezifizieren, einschließlich dem Screen Flow und deren Verhalten bei Benutzeraktionen – einschließlich Fehleingaben.
Dass die Erarbeitung der Systemanforderungen in mehreren Schritten von grob nach fein erfolgen kann, möchte ich nicht in Abrede stellen. Es bleiben aber Systemanforderungen. Und Systemanforderungen sind nur dann valide, wenn es dazugehörige Nutzungsanforderungen gibt.
Und um das Thema Testen anzusprechen:
Die Prüfung, ob die Nutzungsanforderungen erfüllt sind, heißt Validierung, die Prüfung, ob Systemanforderungen erfüllt sind, heißt Verifizierung.
Nun mögen Sie fragen, wie man zu Nutzungsanforderungen kommt und wie man aus Nutzungsanforderungen Systemanforderungen ableiten kann. Dazu habe ich nur einen wirklich guten Tipp:
Besuchen Sie unbedingt das Seminar “Usability, Requirements und IEC 62366″ von und mit Thomas Geis. Ich selbst werde wieder dabei sein. Denn von niemandem lernt man besser als von den Besten.
Melden Sie sich gleich an, die Reihen füllen sich schnell und wir haben in der Villa dieses Mal nicht den ganz großen Raum bekommen.