Samstag 25. Juni 2011 von Christian Johner
Weshalb viele Amerikaner keine Krankenversicherung möchten
Haben Sie den Beitrag bei SPIEGEL Online über den Mann gelesen, der eine Bank wegen eines Dollars überfiel, um ins Gefängnis zu kommen? Der Mann wollte tatsächlich ins Gefängnis, um dort eine dringend benötigte aber für ihn nicht bezahlbare ärztliche Behandlung zu erhalten.
Quelle: iStockphoto
Wir Europäer schütteln hier meist nur den Kopf und fragen uns, weshalb etwa die Hälfte der Amerikaner eine gesetzliche Krankenversicherung ablehnt. Die vordergründige Erklärung lautet meist, weil man die Kosten dafür nicht aufbringen möchte oder kann. Meine Erfahrungen, die ich in den USA sammeln konnte, führen aber zu einem anderen Schluss:
Es geht hier gar nicht um die Frage, ob man eine Krankenversicherung braucht oder nicht. Es geht darum, ob man der (von vielen verhassten) Regierung in Washington erlauben soll, noch mehr Einfluss und Kontrolle über das eigene Leben zu geben. Nach dem Verständnis vieler Amerikaner ist jeder für sein Glück (und seine Gesundheit) selbst verantwortlich. Die Administration soll sich bitteschön zurückhalten. Es ist nicht deren Aufgabe, sich irgendwo einzumischen.
Diese Einschätzung ist für mich einerseits sehr nachvollziehbar. Mit dieser Konsequenz tue ich mir aber besonders dann schwer, wenn ich arme und kranke Menschen sehe, die keine Möglichkeit haben, sich medizinisch versorgen zu lassen. Vielleicht hat manch Amerikaner Recht: Wir Europäer sind doch alle ein wenig Kommunisten
.
Danke MB für den Hinweis
Kategorie: Gesundheitswesen |
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Mittwoch 22. Juni 2011 von Christian Johner
Monitor (ARD) über Abrechnungsbetrug
Leider gibt es nur eine Sicht der Dinge: Die Sicht der Journalisten des ARD-Magazins Monitor. Und diese Sicht ist eindeutig (oder einseitig?). Jedenfalls begehen deutsche Klinikketten nach Aussage eines Beitrags bei Monitor systematischen Abrechungsbetrug. So werden Behandlungen in Spezialkliniken abgerechnet, in denen die Patienten nie waren. Das ganze scheint aber kein Einzelfall sondern Konzept zu sein. Es wird von den Geschäftsführern geduldet (oder gar angeordnet?).
Dass die Beschuldigten sich nicht äußern, ist in mehrfacher Hinsicht bedauerlich. Zum einen kennen wir keine zweite Meinung, zum anderen bestärkt das den Verdacht des systematischen Betrugs. Des Betrugs an uns allen, die Krankenversicherungsbeiträge bezahlen.
Danke MB für den Tipp!
Kategorie: Gesundheitswesen |
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Dienstag 21. Juni 2011 von Christian Johner
Patientendaten bei Facebook
Gleich mehrfach hat man mich auf einen Artikel bei CIO aufmerksam gemacht, der berichtet, wie Patientendaten versehentlich bei Facebook landen. Offensichtlich hat Facebook die Daten aus dem Adressbuch von Ärzten gezogen und veröffentlicht. So schnell werden Patienten zu Freunden
.
Ich fände es aber zu kurz gesprungen, über diese Ärzte zu spotten oder in das Klagelied über die Intransparenz und notorische Verletzung des Datenschutzes bei Facebook einzustimmen.
Was uns fehlt sind Best Practices. Lebensnahe und umsetzbare Richtlinien für den Umgang mit Daten und Medien. Alles zu sperren, ist vielleicht wirkungsvoll, blockiert aber Funktionen, die das effektive und effiente Arbeiten möglich gemacht hätten. Es ist wie bei Medizinprodukten: Nur eine Risikoanalyse wird es erlauben, Risiken und Nutzen abzuwägen. Nur wer erstellt diese?
Die Richtlinien müssten zudem mit der Geschwindigkeit mithalten, in der sich die Technologien und die Bedrohungen weiterentwickeln. Denn Facebook, Cloud-Services und die Synchronisation von (halb-privatem) Handy und Desktop-Rechner mögen die aktuellen Bedrohungen sein. Doch morgen sind es vielleicht Handy-Viren, das gehackte KIS als SaaS oder eine Dropbox-Malware.
Kategorie: Gesundheitswesen, Med. Informatik |
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Donnerstag 16. Juni 2011 von Christian Johner
Der Einsatz von Social Media bei Medizinprodukteherstellern und Krankenhäusern
Der BVMED hat im Newsletter diese Woche die Ergebnisse eine Umfrage publiziert, weshalb 70% aller Medizintechnikunternehmen sich nicht oder nur kaum im Bereich der Social Media engagieren:

Ich halte diese Veröffentlichung aus mehreren Gründen für bemerkenswert.
- Zuerst stellt sich mir die Frage, wie sehr die Umfrage als Methode geeignet ist. Würde ein Unternehmen ernsthaft zugeben, “weil wir keine Ahnung haben”? Die Studie gibt eher die Antwort auf die Frage “Was sind die Gründe, die Medizintechnikunternehmen dafür anführen, sich nicht im Bereich Social Media zu engagieren?”. Und das ist eine andere Frage.
Vielleicht bin ich nun etwas zu sehr Professor. Aber die Wahl der Methode ist für die Aussagekraft eines Ergebnisses fundamental wichtig. Wenn Sie eine Umfrage starten würden, in der Sie fragen, was zwei plus zwei ist, dann wir das Umfrageergebnis eher etwas über die mathematischen Begabungen der Interviewpartner sagen, als über die mathematisch korrekte Lösung.
- Die Antwort “keine Ressourcen”, also keine Zeit oder kein Geld, bedeutet (wenn überhaupt etwas) schlichtweg, dass es den Unternehmen nicht wichtig ist. Sie verwenden das Geld und die Zeit lieber für andere Dinge.
- Vielleicht ist es auch gut, sich in der Kommunikation zurückzuhalten, wenn man nicht richtig weiß, was man kommunizieren will. Denn das setzt voraus, dass man sich über sich selbst im Klaren ist:
- Was sind meine Stärken im Vergleich zum Wettbewerb?
- Wie will ich mich positionieren und was unterscheidet mich?
- Was tue ich, um diesem Anspruch gerecht zu werden?
Und genau da hakt es bei manchem Unternehmen und bei noch mehr Krankenhäusern.
Fazit:
- Sich im Bereich Social Media nicht zu engagieren, folgt oft daraus, dass es keine (einfach zu kommunizierende) Identität, Vision und Strategie gibt. Hier stinkt der Fisch vom Kopf: Hier sind die Geschäftsführer gefordert. Erst dann kann die Kommunikationsabteilung aktiv werden.
- Wenn die Firmen bzw. Krankenhäuser die Kommunikation nicht in die Hand nehmen, werden es andere tun. Die Kunden und die Konkurrenz. Und ob das immer im Sinne des Unternehmens ist, wage ich zu bezweifeln.
PS: Dass sich das Institut im Bereich Social Media engagiert, wissen Sie. Schließlich lesen Sie gerade seinen Blog. Auf Facebook sind wir damit ebenfalls vertreten. Einfach den Facebook-Link oben rechts auf dieser Seite anklicken.
Kategorie: Gesundheitswesen, Institut |
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Mittwoch 15. Juni 2011 von Christian Johner
In einem meiner letzten Blogs habe ich in einem Interview mit Bernd Jaskotka bereits über das israelische Gesundheitssystem berichtet. Ich habe das große Glück, noch einen zweiten Studierenden zu haben, der über die Healthcare IT in Israel viel weiß. Daher heute ein erster kurzer Nachtrag.
Jeder Israeli hat eine elektronische Patientenakte. Diese Akten stellen die Krankenkassen zur Verfügung. Die Ärzte können die Daten einsehen und in die Akte schreiben, wenn der Patient ihm den Zugang per Versichertenkarte und Kartenterminal in der Praxis/Klinik freischaltet. Alle Ärzte in Isareal verfügen über die notwendige Infrastruktur. Die Patientenidentifikation erfolgt über die nationale ID-Nummer, die jeder Israeli hat. Die Patienten können nicht in den medizischen Bereichen der Akte schreiben.

Obiger Screenshot zeigt diese Patientenakte. Zuerst fällt vielleicht auf, dass sich die Navigation rechts befindet. Keine Überraschung, da im Hebräischen von rechts nach links geschrieben wird.
Die Startseite spiegelt die Hauptfunktionen wider, die die Akte anbietet: Die folgende Nummerierung bezieht sich auf die Zahlen im Bild.
- Personal Information Management: hier kann sich der Patient selbst organisieren.
- Arzthistorie und Terminvereinbarung: jeder Arztbesuch ist dokumentiert und in einer Historie gelistet. Zudem können neue Termine online mit dem Arzt vereinbart werden.
- Status von medizinischen oder administrativen Aufträgen: z. B. Befundung eines externen Radiologen, Status eines Antrag an die Kasse, …
- Diagnostik: das gesamte Spektrum der Diagnostik – Labor, Bildgebung, EKG, …
- Präventionsinformation der Krankenkasse – Individualisiert basierend auf den Informationen in der Akte: Ernährung, Bewegung, …
- Werbung über Dienstleistungen, die der Patient noch benötigen könnte anhand seines Profils: z. B. eine Auslandkrankenversicherung
- Versichertenrechte und individuelle Leitstungübersicht die der Patient erworben hat. Hier können auch die privaten (premium) Kataloge hochgeladen und recherchiert werden.
Das wird wohl noch eine Weile gehen, bis wir in Deutschland soweit sind.
In jedem Fall herzlichen Dank an meinen Master MK, von dem die Informationen und auch ein Teil des Textes stammt.
Kategorie: Gesundheitswesen, Med. Informatik |
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Dienstag 14. Juni 2011 von Christian Johner
Unverhofft kommt oft. Die Anfrage, die mich heute erreicht hat, kam für mich sehr unverhofft:
Das irakische Gesundheitsministerium möchte die Ausbildung für die Pflegekräfte verbessern und sucht dazu jemanden, der weiß, wie man didaktische Konzepte entwickelt und Informationstechnologien für die Weiterbildung nutzen kann.

Nun dürfen Sie raten, bei wem die Anfrage gelandet ist.
Ich bin gespannt, ob etwas daraus wird. Ich halte Sie auf dem Laufenden.
Kategorie: Gesundheitswesen |
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Freitag 3. Juni 2011 von Christian Johner
Ich brauche einen schnellen und vollständigen Zugriff auf die Daten meiner Patienten. Das fordern die meisten Ärzte.
Ich möchte entscheiden können, wer auf meine medizinischen Daten zugreift. Das wünschen sich die meisten Patienten.
Ein Widerspruch?

Ein aktueller Artikel bei DocCheck (MB, danke für Tipp) berichtet von einer Klinikmitarbeiterin, deren Beschäftigungsverhältnis nicht verlängert wurde, weil sie an HIV erkrankt war. Ein Verstoß gegen die Menschenrechte urteilt der EuGH. Und damit meint der Gerichtshof nicht die Kündigung, sondern die Tatsache, dass die Klinik nichts unternommen hatte, die Daten der Patientin/Mitarbeiterin zu schützen.
Viele deutsche Kliniken verstoßen elementar gegen dieses Menschenrecht. Damit konfrontiert klagen viele Krankenhaus IT-Leiter, man habe keine Zeit und kein Geld. Außerdem würden die Systeme das nicht hergeben. Die Argumentationskette krönt man dann mit einem Hinweis auf Best-Practices, die ja realistisch so nicht umsetzbar seien.
Dass Krankenhäuser mit Datenschutz kein Geld verdienen, kann ich nachvollziehen. Die Haltung des Nichtstuns aber nicht. Offensichtlich kann man bei Verletzungen des Datenschutzes nicht genug Geld verlieren, beispielsweise bei Prozessen.
Ich plädiere nicht für härtere Strafen, jedoch für mehr Engagement. Ganz im Kantschen Sinne: Behandle die Daten Deiner Patienten so, wie Du wünschst, dass man Deine behandelt.
Kategorie: Gesundheitswesen |
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Mittwoch 1. Juni 2011 von Christian Johner
Wohnen Sie in der Stadt? Sie Sie gar privat versichert? Das könnte gefährlich werden. Denn Ärzte setzen diese Personengruppe besonders häufig unnötigen CT- und Röntgenuntersuchungen aus. Eine nicht unerhebliche Strahlenbelastung ist die Folge.
Damit schadet man den Patienten sogar doppelt: »Die Prognose korreliert negativ mit dem Gewicht der radiologischen Befunde«, zitiert die Zeit in einem aktuellen Artikel Christoph Maier, den Leiter der Schmerztherapie der Bochumer Uniklinik.

Was tun? Raus aus der Stadt und rein in die GKV?
Ich bin überzeugt, dass sich diese Überversorgung im Lauf der Zeit regulieren wird: Die privaten Kassen werden zunehmend direkte Verträge mit den Leistungserbringern schließen und darauf drängen, unnötige Untersuchungen zu vermeiden. Was auch immer unnötig im konkreten Fall bedeutet.
Vor allem sollten die wichtigste Akteuere in diesem Spiel stärker Einfluß darauf nehmen, was mit ihnen geschieht: Wir die (mündigen) Patienten!
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Montag 18. April 2011 von Christian Johner
“Public Consultation on the eHealth Action Plan (eHAP) 2012-2020″
Unser Dozent für IT-Recht, Werner Bachmann, hat mich auf eine Umfrage der EU aufmerksam gemacht. Die EU interessiert sich dafür, was die größten Vorteile von E-Health seien und welche Schwierigkeiten Sie, die EU, aus dem Weg räumen sollte, um von diesen Vorteilen zu profitieren.
Lassen Sie die EU Ihre Meinung wissen!

Public Consultation on the eHealth Action Plan (eHAP) 2012-2020
Kategorie: Gesundheitswesen, Med. Informatik |
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Freitag 18. März 2011 von Christian Johner
Alkoholmissbrauch und Pharmasponsoring
Mich besorgt der hemmungslose Alkoholmissbrauch, dem sich viele Studierende meiner Hochschule hingeben. Dass Pharmafirmen das (indirekt) finanziell befördern, irritiert mich. Und so habe ich an die Firma Nycomed folgende E-Mail geschrieben.
Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,
Sie sind ein weltweit agierender Gesundheitskonzern, der sich auch sozial engagiert. Das schätze ich sehr hoch. Gerade deshalb möchte ich folgenden Gedanken mit Ihnen teilen:
Sie unterstützen die „Erst Welcome Party!“. Feiern dieser Art sind an unserer Hochschule üblich. Leider ist es auch üblich, dass das wesentliche Verkaufsargument des Veranstalters (hier das von www.berrys-konstanz.de) sich darauf beschränkt, „die ganze Nacht zum halben Preis“ saufen zu können. Von diesem Angebot machen die Studierenden eifrig Gebrauch: Das absolute Besäufnis ist das erklärte und regelmäßig erreichte Ziel. Als Professor weiß ich auch, was die zumindest kurzfristigen Folgen sind.
Es erschließt sich mir nicht ganz, wie sich die inhärente Botschaft, dass Saufen cool sei, mit Ihrer Unterstützung der Initiative gegen Alkoholmissbrauch verträgt. Auf der einen Seite gewähren Sie den Rotariern (www.b-free-rotary.de/) Sponsoring auf der anderen Seite unterstützen Sie indirekt „den Partyschnaps ‚FICKEN‘“. Ich zitiere.
Ich drücke meine Besorgnis als Privatperson und als Professor der örtlichen Hochschule aus. Ich nehme aber nicht in Anspruch, die Meinung der Hochschule zu repräsentieren.
Mit herzlichen Grüßen
Christian Johner
Sehr schnell und professionell hat heute die Firma geantwortet: Den ganzen Beitrag lesen »
Kategorie: Gesundheitswesen |
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