Ich habe eine klare Meinung: Ein Software-Entwickler sollte über eine Berufsethik verfügen. Genauso wie man von einem Metzger erwartet, dass er nur gesundes Fleisch verarbeitet und dass er die Hygienestandards einhält, erwarte ich von einem Software-Entwickler, dass er die Architektur sauber umsetzt, Kodierrichtlinien einhält und seinen Code nach dem Stand der Technik testet. Ohne Wenn und Aber. Und genau dies verlangen auch die für medizinische Software relevanten Gesetze und Normen.
Allerdings beobachte ich in vielen Firmen, dass die Qualitätssicherung zum Selbstzweck mutiert. QS-Abteilungen interpretieren die Normen über und nerven die Entwickler mit Vorgaben und Restriktionen. Die anstehende Novelle des Medizinproduktegesetzes gibt eine willkommene Gelegenheit, die internen Vorgaben weiter zu verschärfen.
Sicher, Angst ist ein guter Motivator. Aber Entwickler mit realitätsfernen Forderungen zu blockieren und frustrieren, hat ebenfalls seinen Preis. Im schlimmsten Fall auch den des Arbeitsplatzverlusts der Qualitätssicherer. Nämlich dann, wenn die Firma nicht mehr konkurrenzfähig ist.
Ich plädiere dafür, dass Entwickler sich auf ihre Berufsethik zurückbesinnen. Ich plädiere auch dafür, dass die Themen Risikomanagement und Usability nicht auf die Entwicklungsabteilung abgewälzt werden. Und auch nicht auf die Qualitätssicherung. Risikomanagement und Usability-Engineering sind Aufgaben, die nur im Team zu bewältigen sind. Und zu diesem Team müssen speziell dafür ausgebildete Experten gehören: Entwickler sind Entwickler. Und keine Risikomanager und keine Fachleute für Usability.
Normenkonform zu arbeiten bedeutet Professionalität. In allen Bereichen.
Herzliche Grüße, Christian Johner