Das Traceability-Drama
„Der Hersteller muss verifizieren und dokumentieren, dass die Software-Architektur die System- und Software-Anforderungen […] implementiert“ lautet die Forderung der IEC 62304 im Kapitel 5.3.6 zur Verifizierung der Software-Architektur. Ein kurzer Satz, der viele Herstellern fragen lässt: „Und wie mache ich das?“
Die IEC 62304 verlangt uns Entwicklern im Bezug auf Traceability einiges ab. Besonders die Nachverfolgung der Software-Anforderungen zur Software-Architektur ist alles andere als trivial. Oft gelingt es noch, die Anforderungen eindeutig zu nummerieren. Ab wie soll man von dort auf ein einziges Architektur-Dokument verlinken können? Ein Dokument in dem die verschiedensten architekturellen Aspekte behandelt werden. Möglicherweise von der Wahl der Programmiersprache über ER-Diagramm für die statische Sicht bis hin zu UML-Verteilungsdiagrammen und Begründungen für bestimmte Architekturpattern.
DieseVerbindung (der Link zwischen Requirements und Architektur) wird besonders dann Schwierigkeiten bereiten, wenn das Architekturdokument viel (unstrukturierten) Fließtext enthält. Fließtext halte ich generell für herausfordernd. Denn unsere Sprache ist so vielgestaltig und nuanciert, dass die Eindeutigkeit schnell leidet: Eine Passivkonstruktion, und schon muss man über den Akteur keine Aussage machen. Ein Konjunktiv, und schon bleibt es im Unklaren, ob dieser Aspekt verpflichtend ist oder nicht, oder nur eine Überlegung des Autos wiedergibt. Daher mein Plädoyer:
- Nutzen Sie lieber Modelle statt Text. Hier sind die Ausdrucksmöglichkeiten sehr eingeschränkt und die Aussagen damit eindeutiger. Modelle in Form von Bildern erlauben einen schnellen Überblick und einfachere Diskussion.
- Strukturieren Sie das Dokument in viele Kapitel. Ein Textabschnitt sollte eine halbe Seite nicht überschreiten, bevor er durch eine neue Überschrift unterbrochen wird. So können Sie über die Überschriften relativ genau auf einen Architekturaspekt verweisen (verlinken).
- Fügen Sie ein eigenes Kapitel (ggf. sogar ein eigenes Dokument) ein, das der Traceability gewidmet ist. Listen Sie darin die Anforderungen (erneut) auf und schreiben Sie zu jeder einen ganz kurzen Satz mit einem Verweis auf eines dieser Teilkapitel im Architekturdokument.
Dass die Word-gestützte Dokumentation schwierig ist, weiß ich. Besonders weil die Verlinkung über Dokumentengrenzen hinweg nicht funktioniert. Aber das ist ja genau der Grund, aus wir das MedPack entwickelt haben. Damit bekommt man das Traceability-Chaos besser in den Griff.
Herzlichst, Christian Johner
PS: MedPack-Workshop nicht vergessen und gleich anmelden.
Tags: IEC 62304, MedPack, Traceability