Armes Deutschland – oder wie Sie der Krise trotzen können

Gleich dreimal habe ich in den letzten Tagen über die Weiterbildung gelesen: In einer Studie der DIW, im Buch “Die Weiterbildungslüge” und in der aktuellen Ausgabe der Zeit. Der Tenor ist ernüchternd: Wir bilden uns zu wenig oder falsch weiter und bringen uns damit um Geld und sicherere Arbeitsplätze .

Benachteiligung von Schülern aus bildungsfernen Elternhäusern

Die DIW-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass wir Deutschen 4,5 Mrd. verschenken, weil wir uns nicht ausreichend weiterbilden. Besonders interessant finde ich die Erkenntnis, dass 75 Prozent des (möglichen) Produktionswachstums durch die Nutzung der IT generiert würden. Bedauerlicherweise zielen jedoch nur 36 Prozent der Weiterbildungen auf die IT.

Aber nicht bei der Wahl des Themas (zuwenig IT), sondern auch hinsichtlich des Ergebnisses der Weiterbildung haben wir in Deutschland Nachholbedarf. Es gelingt uns durch die Weiterbildung nur 172 EUR pro Beschäftigtem und Jahr an Wertschöpfung zu generieren, während beispielsweise Schweden auf 329 EUR kommt. Noch weiter geht das Buch „Die Weiterbildungslüge“, das generell die Nachhaltigkeit von Seminaren anprangert. Dieses Problem beschäftigt mich seit längerem, und ich arbeite gerade an einem Konzept, welches die Umsetzung des Gelernten im Unternehmen sicherstellen wird. Mit den ersten interessierten Unternehmen bin ich intensiv dabei, dieses Konzept weiter zu entwickeln. Ich berichte demnächst mehr dazu.

Was mich genauso nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, dass Weiterbildung noch immer ein Privileg der bereits Gebildeten zu sein scheint. Die oben genannte Studie stellt fest, dass sich 34% der Erwerbstätigen mit Hochschulabschluss aber nur 8% der Arbeitnehmer ohne Hochschulabschluss weiterbilden. Zu ähnlichen Ergebnissen bei Schülern kommt die Zeit in Ihrer aktuellen Ausgabe vom 27. November 2008. Hier nimmt Deutschland den unrühmlichen letzten Platz ein, weil die Schüler aus bildungsfernen Elternhäusern beim PISA-Mathetest am schlechtesten abschnitten (obige Abbildung).

Das halte ich besonders in der jetzigen wirtschaftlichen Lage für problematisch. Achim Berg (Geschäftsführung Microsoft Deutschland) stellt fest: „Berufliche Weiterbildung zahlt sich aus. Arbeitnehmer verdienen besser, erhöhen die  Produktivität und sichern dadurch den Erfolg des Unternehmens – und auch ihren eigenen Arbeitsplatz. Jobsuchende verbessern mit entsprechenden Zusatzkenntnissen ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. IT-Kenntnisse spielen dabei eine entscheidende Rolle“.

Ich sehe es als meinen Auftrag, Menschen unabhängig von Ihrer Vorbildung zu unterstützen, wenn es um die Weiterbildung an der Nahtstelle von IT und Gesundheitswesen geht.

Herzliche Grüße, Christian Johner

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