Krankenhäuser auf dem Förderband des Todes
Viele glauben, dass Krankenhäuser anderen Gesetzmäßigkeiten unterworfen seien als normale Unternehmen. Das ist sicher nicht falsch: Die Einflussnahme von Politik und Verbänden ist im Gesundheitswesen besonders hoch. Auch sind Patienten keine normalen Kunden.
Schließlich überlegt man sich nicht, ob man das Weihnachtsgeld für eine Blinddarmoperation ausgeben möchte. Auf der anderen Seite können Krankenhäuser genauso wie normale Unternehmen Konkurs erleiden. Und genau wie bei den normalen Unternehmen scheint es Krankenhäuser zu geben, die mit den Rahmenbedingungen besser zurecht kommen als andere.
Ich habe mich gefragt, wie sich erfolgreiche Krankenhäuser unterscheiden. Und bin dabei auf ein Modell der Firma PRO4S gestoßen: Normale Unternehmen lassen sich in drei Bereiche gliedern. Einen Bereich z.B. Forschung oder das Produktmanagement der neue Produkte oder Dienstleistungen entwickelt. Einen Vertrieb, welcher diese Produkte vermarktet und Bereiche, die Sorge zu tragen haben, dass die verkauften Produkte produziert und Dienstleistungen erbracht werden. Der Erfolg des Unternehmens ist sicher davon abhängig, wie gut diese Bereiche miteinander kommunizieren.
Erfolgreiche Unternehmen zeichnen sich durch etwas Weiteres aus: Sie sind ausgerichtet auf ein gemeinsames Zukunftsbild. Diese Vision verbindet die Mitarbeitenden. Sie bündelt Kräfte und richtet diese wie ein Magnet aus, der alle Magnetnadeln in eine Richtung zeigen lässt. Ein attraktives und verinnerlichtes Zukunftsmodell erspart viele Befehls- und Kontrollorganisationen.
Nun leben Unternehmen nicht im luftleeren Raum. Sie sind Teil des Marktes und der Gesellschaft. Deren Einflüsse und Anforderungen hat das Unternehmen aufzunehmen und mit den eigenen inneren Stärke in Einklang zu bringen. Das gelingt nicht allen Unternehmen.
Nicht nur Behörden wirft man vor, dass Sie den Bezug zur Außenwelt verlieren. Diese pathologische Ausprägung des Unternehmensmodells findet sich auch bei Krankenhäusern. Ich finde aber meist eine andere Ausprägung: Das Gewicht wird fast ausschließlich auf den Bereich Dienstleistungerbringung gelegt. Die Operateure sind hervorragend. Das Medizin- und Finanzcontrolling sind auf gnadenloser Jagd nach ineffizienten Arbeitsabläufen. Es wird gespart und optimiert. Hingegen verkümmern Vertrieb und Entwicklung. Wozu braucht man die mag man fragen. Die Patienten kommen doch auch so. Das stimmt aber nur zum Teil. Meist kommen nicht genügend Patienten. Und man bekommt auch nicht die Fälle, die man gerne hätte. Vorausgesetzt, man weiß was man gerne hätte.
Ein Krankenhaus kann sich doch keine Produktinnovation leisten. Was sollte das auch sein, werden andere einwenden. Dazu gibt es demnächst hier einen weiteren Blog. Diejenigen, die nicht solange warten können oder wollen, wenden sich bitte gleich an mich.
Haben Sie sich mal gefragt, was bei Ihnen das attraktive Zukunftsbild ist? Sparen zählt für mich nicht dazu. Ohne diese verbindende Vision werden aber auch Krankenhäuser nicht auf Dauer überleben können. Denn es gibt etwas, was gegen sie arbeitet. Die Zeit. Denn Sie befinden sich auf dem Förderband des Todes.
Was heute noch innovativ ist, haben morgen alle. Womit sie heute noch Patienten überzeugen können, wird morgen vorausgesetzt. Wer dies nicht versteht, wird vom Förderband des Todes getilgt werden. Unbarmherzig.
Was kann man dagegen tun? Sich weiter entwickeln. Mit neuen Angeboten. Wie gesagt, dazu demnächst mehr.
Tags: Innovation, Krankenhaus
